Lesung in der Alten Schule Niehuus am 15. November 2017

 

Die Alte Schule Niehuus ist bis zum letzten Platz gefüllt,  Besucher müssen fortgeschickt werden:

wegen Überfüllung geschlossen!

Im alten Klassenzimmer erwartungsfrohe Unruhe. Ein Lesepult, eine Harfe, Programmzettel auf den Plätzen. Karl Hermann Rathje vom Förderverein Alte Schule begrüßt die Besucher, gibt einen kurzen Abriss über den Verein Autorentreff Flensburg . Und er verkündet erfreut: 68 Zuhörer fanden Platz!

Herbstblätter: Gelb schimmernd und  im Wind tanzend das Blatt der Birke, dunkel und erdig das schwer fallende Blatt der Kastanie, rot leuchtend in der Herbstsonne das Ahornblatt. So bunt wie die Farben des Herbstes werden die “Textblätter” in ihrer Verschiedenheit und Vielfalt den Leseabend füllen. So verspricht es Sigrid Dobat in ihrer Moderation.

Und ihr Versprechen erfüllt sich:

Begleitet von hervorragend auf die Texte abgestimmten Harfenklängen, gespielt von Hannah Schütt, lasen sieben Autoren des Autorentreffs und der Gastleser Jörg Arndt ihre Texte. Wohlklingend nach jedem Text eine Harfenmelodie, wunderbar interpretiert.

Jutta Detlefsen erzählt  sehr feinsinnig in ihrer Geschichte Veilchenduft von einem Haus, das ein Familiengeheimnis verbirgt, das durch einen aufgefundenen Brief gelüftet wird.

In Frauke Linds lebhaft vorgetragener Geschichte Das verhängnisvolle Telefonat wird ein argloser Mitbürger verdächtigt und gerät dadurch in Schwierigkeiten.

Die Herbststraße von Ingalies Friebel führt über stimmungsvolle Sprachbilder, über Erinnerungsblitze, die Geborgenheit vermitteln, direkt  in ein Déjà-vu mit schrecklichem Ausgang.

Gastleser Jörg Arndt  erreicht mit seiner Sciencefiction-Geschichte Kingstar  eine Zeitebene, die den Stern von Bethlehem überraschend neu definiert. Technisch informiert und sprachlich frisch gekonnt.

Während der Pause wird lebhaft diskutiert, von dem köstlichen Apfelsaft, gepresst  aus den Äpfeln des ehemaligen Schulgartens,  getrunken und Wein gekostet.

Sigrid Dobats Geschichte Schwarze Erde geht zurück in das Jahr 1947 und erzählt bilderstark und mitfühlend vom Schicksal eines ukrainischen Bauern und der Deportation seiner Familie in das verlassene Ostpreußen, die trotz des Vergangenheitsbezugs starke  Aktualität hat.

Ein weißer Rabe verführt in Anna Fietz Geschichte einen Jungen dazu, seiner Sehnsucht nach der Mutter zu folgen und sich durch Phantasien in Gefahr zu begeben. Starke Naturbeschreibungen verweben sich mit den Ereignissen.

Britta Bendixens Mein rotes Käppi, der Wolf und ich, ein modernes Märchen, erzählt vergnüglich das Grimmsche Rotkäppchen unkonventionell neu.

Der Sommer ist vorbei … sinniert in Ulrich Borchers Geschichte ein Mann, der sich an seine Jugend erinnert, sein Leben vorbeiziehen lässt und schließlich einer hoffnungsvollen Perspektive begegnet. Sprachwitz einerseits und Nachdenklichkeit andererseits kennzeichnen diese Geschichte.

In Britta Bendixens Gedicht streiten die Jahreszeiten, welche wohl die beliebteste sei. Humorvoll gereimt und vergnüglich  klingt die Lesung aus.

Die Zuhörer begeisterten sich an der Vielfalt, freuten sich an Heiterem, ließen sich ergreifen von Ernstem, dankten den Lesenden mit einem lang anhaltenden Applaus. Die intensiven Rückmeldungen und Gespräche wollten auch nach offiziellem Ende der Lesung nicht aufhören.

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Autoren können schreiben, rechnen nicht unbedingt.

Nachgezählt und festgestellt: Erst am 21.10.2017 fand die siebte Lesung des Flensburger Autorentreffs in der Bergmühle statt. Dennoch schon fast Kult. Davon zeugt u. a. der Vorverkauf. Keine zwei Tage dauerte es und die 70 Karten waren vergeben. Das dieses Konzept einer Veranstaltung mit bildender Kunst, Musik und Texten so gut ankommt, macht uns alle froh und auch ein wenig stolz. Und ich summe einen Tage später immer noch “Glück ist wie ein Schmetterling.”

Und so erzählten die Autoren/innen zu der stets perfekt dazu passenden Musik des Duos Traumfänger (Susanne Post und Dieter Korinth) ihre Geschichten. Dass „Spontanität gelernt sein will“, erzählte uns ironisch und mit vielen Lachern begleitet Angela Dumrath, doch z. B. fiel die Spontanität gerade der Heldin in „Der Sommertag“ von Anna Fietz  schwer. Zu sehr lastete die Trauer des Abschieds auf ihr. Besser erging es dem kranken Jungen in Jutta Dethlefsens  „Wegerich“. Hoffnung kann Seele und Geist heilen und so spielte der Junge zur Erleichterung aller am Ende der Geschichte wieder. Wer bei der „Geschäftsidee“ von Jürgen Hargens und den „Froteetüchern“ von Ingalies K. Friebel an eine gemeinsame Präsentation in der Höhle des Löwens dachte, irrte. Jürgens setzte auf Speedating, während sich Ingalies Geschichte um Verlust und Reue drehte. Vielleicht wären ja die Katzenhaarpullover aus Frauke Linds „Der Pullover“ ein Verkaufsschlager, da sie allergiefrei sind. Während sich Außerirdische die Menschheit  in Britta Bendixens „Bäh“ betrachten und ihr kein so gutes Zeugnis ausstellen, lässt „ Gutes sehen schützt – gutes Sehen nützt“ von Ulrich Borchers ein wenig hoffen. Auch wenn Gott Amor eine Niete ist, ist die Liebe doch eine Himmelsmacht. Und Hein Fisch, vertreten durch Lorenz-Peter Andresen weiß, dass „Alt sein“ dazu führt, alles ein wenig gnädiger zu betrachten.

Eingerahmt wurde dies alles durch passende Bilder der ausstellenden Künstlerinnen Birgit Jahn und Hilke Heinsen, deren Impressionen u. a. vom Meer, der Küste und seinen Bewohnern erzählten.

Das dies alles so gut ankam, davon zeugte der warme Applaus am Ende der Veranstaltung. Die „Hausherrin“ Frauke Schumacher vom Verein zur Erhaltung der Bergmühle nickte zur Frage nach einer evtl. Veranstaltung in 2018. Wir freuen uns darauf.

Ulrich Borchers

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Tolle Musik und vielfältige Texte

 

begeisterten das Publikum am Freitag, 31.3.2017 im Medienhaus in Flensburg. Zu unserer großen Freude kamen trotz des herrlichen Wetters zahlreiche Gäste. Khaled Atallah und Stylianos Antoniou entführten das Publikum nach Griechenland und Syrien. Zum Thema “Verführungen” lasen ganz unterschiedliche Texte Jutta Dethlefsen, Britta Bendixen, Lorenz-Peter Andresen, Anna Fietz, Ingalies Friebel, Sigrid Dobat, Ute Boesche-Seefeldt (vertreten durch Frauke Lind). Als Gastleser machte Dieter Neumann mit Auszügen aus seinem neuen Buch “Nebel über der Küste” auf seinen demnächst erscheinenden Krimi neugierig. Den Abend moderierte Jutta Dethlefsen.

Artikel im Flensburger Tageblatt vom 3. April 2017