Posted by on 18. November 2017

Lesung in der Alten Schule Niehuus am 15. November 2017

 

Die Alte Schule Niehuus ist bis zum letzten Platz gefüllt,  Besucher müssen fortgeschickt werden:

wegen Überfüllung geschlossen!

Im alten Klassenzimmer erwartungsfrohe Unruhe. Ein Lesepult, eine Harfe, Programmzettel auf den Plätzen. Karl Hermann Rathje vom Förderverein Alte Schule begrüßt die Besucher, gibt einen kurzen Abriss über den Verein Autorentreff Flensburg . Und er verkündet erfreut: 68 Zuhörer fanden Platz!

Herbstblätter: Gelb schimmernd und  im Wind tanzend das Blatt der Birke, dunkel und erdig das schwer fallende Blatt der Kastanie, rot leuchtend in der Herbstsonne das Ahornblatt. So bunt wie die Farben des Herbstes werden die “Textblätter” in ihrer Verschiedenheit und Vielfalt den Leseabend füllen. So verspricht es Sigrid Dobat in ihrer Moderation.

Und ihr Versprechen erfüllt sich:

Begleitet von hervorragend auf die Texte abgestimmten Harfenklängen, gespielt von Hannah Schütt, lasen sieben Autoren des Autorentreffs und der Gastleser Jörg Arndt ihre Texte. Wohlklingend nach jedem Text eine Harfenmelodie, wunderbar interpretiert.

Jutta Detlefsen erzählt  sehr feinsinnig in ihrer Geschichte Veilchenduft von einem Haus, das ein Familiengeheimnis verbirgt, das durch einen aufgefundenen Brief gelüftet wird.

In Frauke Linds lebhaft vorgetragener Geschichte Das verhängnisvolle Telefonat wird ein argloser Mitbürger verdächtigt und gerät dadurch in Schwierigkeiten.

Die Herbststraße von Ingalies Friebel führt über stimmungsvolle Sprachbilder, über Erinnerungsblitze, die Geborgenheit vermitteln, direkt  in ein Déjà-vu mit schrecklichem Ausgang.

Gastleser Jörg Arndt  erreicht mit seiner Sciencefiction-Geschichte Kingstar  eine Zeitebene, die den Stern von Bethlehem überraschend neu definiert. Technisch informiert und sprachlich frisch gekonnt.

Während der Pause wird lebhaft diskutiert, von dem köstlichen Apfelsaft, gepresst  aus den Äpfeln des ehemaligen Schulgartens,  getrunken und Wein gekostet.

Sigrid Dobats Geschichte Schwarze Erde geht zurück in das Jahr 1947 und erzählt bilderstark und mitfühlend vom Schicksal eines ukrainischen Bauern und der Deportation seiner Familie in das verlassene Ostpreußen, die trotz des Vergangenheitsbezugs starke  Aktualität hat.

Ein weißer Rabe verführt in Anna Fietz Geschichte einen Jungen dazu, seiner Sehnsucht nach der Mutter zu folgen und sich durch Phantasien in Gefahr zu begeben. Starke Naturbeschreibungen verweben sich mit den Ereignissen.

Britta Bendixens Mein rotes Käppi, der Wolf und ich, ein modernes Märchen, erzählt vergnüglich das Grimmsche Rotkäppchen unkonventionell neu.

Der Sommer ist vorbei … sinniert in Ulrich Borchers Geschichte ein Mann, der sich an seine Jugend erinnert, sein Leben vorbeiziehen lässt und schließlich einer hoffnungsvollen Perspektive begegnet. Sprachwitz einerseits und Nachdenklichkeit andererseits kennzeichnen diese Geschichte.

In Britta Bendixens Gedicht streiten die Jahreszeiten, welche wohl die beliebteste sei. Humorvoll gereimt und vergnüglich  klingt die Lesung aus.

Die Zuhörer begeisterten sich an der Vielfalt, freuten sich an Heiterem, ließen sich ergreifen von Ernstem, dankten den Lesenden mit einem lang anhaltenden Applaus. Die intensiven Rückmeldungen und Gespräche wollten auch nach offiziellem Ende der Lesung nicht aufhören.

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